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Als Christian Raabe seine Entscheidung traf, hatte er noch fünf Minuten zu leben. Fünf Minuten können eine lange Zeit sein. Dem Wissenschaftler kam es jedoch so vor, als würde ihm die Uhr mit rasender Geschwindigkeit die letzten Sekunden seiner Lebenszeit rauben.
Der Teppich dämpfte seine Schritte, während er durch die Gänge des Instituts lief. Die Wände warfen ein dumpfes Echo zurück in die nächtliche Stille.
Durch das Fenster am Ende des Ganges spiegelte sich das Mondlicht in den gerahmten Porträts lange verstorbener Männer. Raabe war es, als würde sein vorüberhuschender Schatten ihre Gesichter zum Leben erwecken. Fast meinte er ihre missbilligenden Blicke im Nacken zu spüren. Es waren die Riesen, auf deren Schultern er geklettert war, um weiter zu sehen als alle Wissenschaftler vor ihm. Doch jetzt fiel sein Blick auf nichts als den Abgrund, der sich vor ihm aufgetan hatte.
Endlich hatte er die Fahrstühle erreicht. Er drückte hastig den Rufknopf und holte sein Handy aus der Tasche. Seine Hände zitterten, als er wählte. Eine unpersönliche Stimme forderte ihn auf, eine Nachricht zu hinterlassen.
»Junge, es . . . Es tut mir Leid . . .« Er stockte, holte ein Taschentuch aus der Hose und tupfte die Schweißtropfen ab, die sich in seinen Augenbrauen gesammelt hatten.
»Ich weiß nicht, wie . . . Gott, wie ich es hasse, das alles auf eine Mailbox zu sprechen. Aber es . . . «
Während er nach Worten suchte, bildete sich auf seiner Stirn eine steile Falte.
»Ich habe Fehler gemacht, furchtbare Fehler, Sebastian.«   [weiter]